Der Name des Säuling

Der Sonnenaufgang zur Wintersonnwende
Der Sonnenaufgang zur Wintersonnwende

In der christlichen Zeit taucht bereits in den ersten Fassungen der Magnuslegende für den Berg Säuling das Wort "Siuling" auf. Entlang der ganzen Gebirgskette war es der erste Berg, der einen besonderen Namen erhielt. Dieser Name muss deshalb auch eine besondere Bedeutung haben.

 

Der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Greule schreibt dazu: Dass der Bergname Säuling (wie es bei Wikipedia angegeben ist) auf das mittelhochdeutsche Wort "Siulinc" zurückgehen kann, ist richtig. Möglich ist ferner, dass "Siulinc" mit der Endsilbe "-ing" vom mittelhochdeutschen Wort "sul" mit der Bedeutung "Säule" abgeleitet ist. Die Mehrzahl von "sul" lautet "siule" (Säulen). Der Bergname "Siuling" (auszusprechen als "Sü:ling") könnte dann in etwa der "Säulenreiche" bedeuten.

 

Die Menschen in dieser Landschaft suchten sicher nach Orientierung in ihrem Lebensraum und dabei ist es nicht verwunderlich, dass ihr Blick zunächst zum "Siuling" ging, dem höchsten Berg in der ersten Gebirgsreihe, von weit her sichtbar und unverkennbar in seiner Silhouette wie kein anderer. In der damaligen Zeit wird man dabei nicht nur auf einen säulenartigen wuchtigen Gipfel geachtet haben, sondern auch auf die schräg abwärts verlaufende Bergformation in der westlichen Richtung zum Pilgerschrofen hin. Dazwischen liegen 12 kleinere Bergspitzen, die im Volksmund als die "12 Apostel" bezeichnet werden. Vielleicht ist tatsächlich dieses einzigartige Bergprofil vom Säulinggipfel bis zum Pilgerschrofengipfel herunter, das für viele Betrachter besonders einprägsam ist, der Anlass gewesen für den Namen "Siuling" (der Säulenreiche).

 

Die Geschichte vom Bären, der vom heiligen Magnus gezähmt wird, versinnbildlicht in der Magnuslegende das wilde Heidentum, das vom Missionar Magnus zur christlichen Sanftmut gewandelt wird. Diese Veränderung bewirkt dann, dass der vorher wilde Bär die Eisenadern am Säuling offenlegt. In der Magnuslegende wird damit die Verbindung hergestellt zur historischen Wirklichkeit, dem mittelalterlichen Abbau von Eisenerz am Säuling.

Der Säuling von Norden
Der Säuling von Norden
Das "Gesicht" an der Ostflanke des Berges
Das "Gesicht" an der Ostflanke des Berges

 

Heute markiert der Berg Säuling den Bereich, in dem der Verein „Säuling e.V.“ tätig sein möchte, ein geographisch und geschichtlich zusammenhängendes Gebiet. Zuerst war es ein geschlossener Jagdbezirk in der Zeit der Merowinger, später der Wirkungsbereich des hl. Magnus und dann des bedeutsamen Klosters St. Mang in Füssen. Bis heute wird es überhöht von der bedeutendsten Schlossanlage am Alpenrand zwischen Salzburg und Liechtenstein. Erst mit dem Aussterben der Staufer und der Gründung des Landes Tirol im 13. Jahrhundert entstanden hier Grenzen, die aber seither weder in der Sprache noch im Baustil besonders prägnant geworden sind und die heute, im-Zeitalter der europäischen Vereinigung, immer mehr an Bedeutung verlieren. 

 

Bei der Aufarbeitung unserer gemeinsamen Geschichte möchten wir diese willkürlich gezogenen Grenzen würdigen, aber gleichzeitig auch dort überwinden, wo sie dem Gewinn von Erkenntnissen im Wege stehen. Wir möchten gemeinsam erkunden, wie unser Land zur Zeit der Römerherrschaft war, wie es nach den Stürmen der Geschichte immer wieder neu besiedelt worden ist und welche geschichtliche Entwicklung seither unser Land in den Jahrhunderten danach erfahren hat. 

 

Dabei immer wieder etwas Neues zu entdecken, ist tatsächlich eine spannende Geschichte.